Freundeskreis Panzerlehrbataillon 93 e.V.

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Hinweis zu den Fotos: Durch Anklicken lassen sich alle Bilder vergrößert darstellen.

 

 

 

 

 

OA-Zug Panzer 4.Lehrkompanie

 

Lager Andernach Einfahrt-Tor

 

PzSchtz OA U. Kolster, StUffz Schiller

 

Panzerformale

 v.l. PzSchtz OA v. Ondarza

 

Bei der Bahnverladung nach Munster

Lt Hartelt, Hptm Sacha (v.l.)

 

 

Das Panzer-Lehr-Bataillon  - 1956 Wie alles begann

Vorbemerkung: Mit der Schilderung der Aufstellungsphase des Panzer-Lehr-Bataillons, somit auch der Anfänge der Panzertruppe der Bundeswehr 1956 wollen wir den jungen und alten Soldaten – der Bundeswehr und der ehem. 7. Panzer-Division – die Geschichte unseres Bataillons nahe bringen. In den folgenden Heften werden wir  die weitere Entwicklung fortschreiben

In dieser Ausgabe berichten zwei Soldaten der ersten Stunden. Wir veröffentlichen aus ihren Berichten den Teil, der sich mit dem Jahr 1956 befasst und bedanken uns bei den Autoren, StFw a.D. Siegfried Schiller, der bereits in   Andernach seinen Dienst in der Bw begann und OStFw a.D. Hubert Springer, der  dem ersten Jahrgang von Freiwilligen angehörte, die am 15.05.56 in das Panzer-Lehr-Bataillon eingezogen wurden. Interviews mit Hptm a.D. Hartig, ebenfalls ein „Andernacher“, Oberst a.D. Fleckenstein, als Leutnant am 1.7.56 vom BGS gekommen, haben die Berichte ergänzt.

Wir haben den nachstehenden Bericht vorangestellt, weil der Autor hier seine Erlebnisse vor der Aufstellung des Panzer-Lehr-Bataillons niedergeschrieben hat. Beide Berichte wurden redaktionell geringfügig überarbeitet. Alle Fotos stammen von den Autoren.

 

Erinnerungen an den Beginn einer neuen Panzertruppe in der Bundesrepublik Deutschland in Andernach

Von StFw a.D. Siegfried Schiller

 

Die Panzertruppe der Bundeswehr wurde in Andernach am Rhein geboren!

Grundstein bildete der Panzerzug in der 4. Lehrkompanie der "Lehrtruppe des Heeres". Kommandeur dieser Lehrtruppe war Oberst Philipp, später der 2. Kommandeur der Panzertruppenschule Munster. Am 02.01.1956 wurde der Dienstbetrieb aufgenommen.

Zum Panzerzug gehörten: Hauptmann Sacha – Zugführer, Leutnant Hartelt, StFw Jorek, StUffz Jörgensen, StUffz Schiller, Uffz Schmitt, StUffz ?, OG Hartig,  sowie der 1. Offizier-Anwärter-Jahrgang der Panzertruppe mit den PzSchtz OA:  D. von Altenstadt,  E. Boege,  J. von Brockhusen, B. Busse, W. Ebbers, H. Gehrke, H.J. Gries,  K. Hederich,  M. Kiefer, W.  Kolster,  U. Kolster,  H. Langbein,  H. Lüder,  H.J. Mack, H. von Ondarza, B. Graf Rabe v. Pappenheim, A. Freiherr von der Recke, S. Storbeck, und Fhj C. Unterberger.

Dem Panzerzug gehörten weitere ca. 20 Unteroffizieranwärter an, deren Namen ich leider nicht festgehalten habe. Mit einem amerikanischen Captain und 4 Sergeants waren auch die USA vertreten. Die Herren hielten sich sehr zurück.

Nach fast 10 jähriger Dienstzeit als Polizeibeamter in Schleswig-Holstein wurde ich nach meiner Freiwilligenmeldung zum 09.02.1956 zur Lehrtruppe des Heeres nach Andernach einberufen. Der Hauptgrund meiner Meldung war eine fehlende Planstelle bei der Kriminalpolizei in Neumünster, bei der ich schon zwei Jahre im Dienst war. Die Einberufung erfolgte nach dem "Eignungsübungsgesetz vom 20.01.1956 (BGBl. 1, Seite 13)".

Es herrschte im Lager reger Betrieb. Mehrmals wurde unter Führung des ersten. Musikkorps der Bundeswehr im Lager das "Marschieren" geübt. Fernsehteams aus Frankreich, USA, England usw. beobachteten kritisch das Geschehen im Lager. Ich wurde dazu auserkoren, einem Bildreporter aus den USA (Look und Life) im und außerhalb des Dienstes für Aufnahmen zur Verfügung zu stehen.

In der amerikanischen Zeitschrift "Look" erschien in den USA ein Bericht über Andernach. Eine Überschrift gipfelte in den Worten: "Er tötete seinen Anteil an Russen und Amerikanern". Daneben ein Bild von mir unter der angetretenen Lehrtruppe mit Namen und falschem Dienstgrad "Unterstabsoffizier". Der Reporter hatte erfahren, dass ich im Kriege Panzerfunker bei der Tigerabteilung 503 war, also musste ich logischer Weise auch getötet haben. Höheren Ortes regte man sich sehr über diesen Artikel auf, aber die Pressefreiheit war damals bereits ein hohes Gut. So viel über meine Vorgeschichte.

Zum Geländedienst marschierten wir zum "Hummerich", eine kleine Anhöhe in einem Bimssteingebiet. Auf dem Marsch dorthin beschimpften uns Bauarbeiter mit den Worten: "Ihr Adenauerknechte". Wir ließen uns nicht provozieren, sondern stimmten ein Lied an. Damals wurde noch gesungen!

Die Schießausbildung mit Pistole und Gewehr erfolgte auf einer Schießanlage in Bonn- Duisdorf. Kurioserweise mussten wir die Handfeuerwaffen, in Einzelteile zerlegt, aus 200 l Fässern mit Fett, mittels eines Holzfeuers heraus schmelzen. Mit   primitiven "Schöpfkellen" eigener Konstruktion fischten wir dann die Einzelteile aus dem Fett. Überall sah man im Lager diese Feuer unter den Fässern. Den nicht sehr angenehmen Gestank kann man sich vorstellen.

Für die Panzerausbildung standen uns 4 amerikanische Kampfpanzer M 47 zur  Verfügung. Es wurden lediglich Richtübungen mit der KwK (Kampfwagenkanone, die Red.)und Auf- und Absitzen geübt. Fahrten mit den Panzern entfielen wegen fehlender Fahrerlaubnis.

Es gab damals noch keine Dienstvorschriften in deutscher Sprache. Das bedeutete große Verantwortung für Offiziere und Unteroffiziere bei der Ausführung des Dienstes. Hier war Fingerspitzengefühl gefragt. Befehl und Gehorsam nach altem preußischem Muster reichten nicht mehr aus. Es wurde seitens der Auszubildenden viel hinterfragt, und das machte den Dienst so interessant.

Es bleibt zu berichten, dass sich eine gewisse Unzufriedenheit über die nicht geregelte Zahlung der Dienstbezüge bemerkbar machte. U.a. wurde im Küchenausschuss der Wunsch der Soldaten nach Bohnenkaffee laut, die Nachkriegszeit sei doch zu Ende. Das rief Empörung „höheren Ortes“ hervor. Das Eine kam zum Anderen. Der Bundesminister für Verteidigung – Blank- sandte seinen Staatssekretär nach Andernach, um die Wogen zu glätten. Diese Zusammenkunft von Beamten und Soldaten endete mit einem Fiasko. Man wurde sich nicht einig. Der Staatssekretär reiste unverrichteter Dinge nach Bonn zurück.

Die Zeit der Lehrtruppe neigte sich dem Ende zu. Am 02. Mai 1956 war der Marschbefehl für den Panzerzug da. Ziel war Munster in der Lüneburger Heide. Es sollte ein Panzerlehrbataillon aufgestellt werden. – Was erwartete uns in Munster? Am 03.Mai 1956 traf unser Bahntransport in Munster ein. Der Panzerzug war der Kader der neu aufzustellenden 4. (OA) Kp. Panzer-Lehr-Bataillon.  Erster Chef war Hauptmann Sacha.

 

Nachbemerkung:

In der Chronik des Btl befindet sich eine Bierzeitung vom Abschlussabend des Panzerzuges am 14.04.1956 in Andernach..

Aus diesem Heft das Ende  eines  fast 4 Seiten langen Gedichtes  für den Zugführer, Hptm Sacha:

 

"Gehorsamst bitten wir zum Danken,

Entschuldigung für manches Schwanken,

wir grüßen unseren Hauptmann vorn,

und bitten, daß er nehm` auf s Korn,

uns auch auf unseren späteren Wegen,

wenn wir in Garnison uns regen.

Hptm Sacha soll erleben,

daß seine ersten Schüler streben,

den alten Panzerruf zu wecken,

wir wollen sein des Hauptmanns RECKEN!!!"

 Wie es in Munster weiterging, lesen Sie ab Heft 1-2004

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