Freundeskreis Panzerlehrbataillon 93 e.V.

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Militär-Politische Exkursion 10. bis 11. Mai 2012  
(Einsatzführungskommando und Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf)

17.07.12

Die militärhistorische und militärpolitische Exkursion des Freundeskreises in diesem Jahr führte 40 aktive und ehemalige Angehörige des Bataillon nach Potsdam zum Einsatzführungskommando der Bw und in die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf.
Eingeschlossen war eine geführte Stadtrundfahrt durch Potsdam mit abschließenden Rundgang ins "Holländische Viertel" und ein Kameradschaftsabend in der UHG der Julius-Leber-Kaserne in Berlin.

Nach knapp vier Stunden Busfahrt wurde das Einsatzführungskommando erreicht. Oberstlt Hagen Ruppelt, auch ein "alter" 93er, hatte es sich nicht nehmen lassen, die Teilnehmer selbst in Gliederung, Auftrag und Aufgaben des Kommandos einzuweisen. Der Vortrag endete mit einem Ausblick auf die weitere Entwicklung und die Rolle der Bundeswehr im Norden Afghanistans bis zum von der Politik gesetzten Termin des Abzugs der Kampftruppen.


(Gruppenbild vor dem Einsatzführungskommando)

Schließlich dankte Oberstlt Iwan im Namen Aller für einen freimütigen und offenen Vortrag und die sich anschließende Frage- und Antwortrunde und überreichte an Oberstlt Ruppelt (im Bild links) ein Erinnerungsgeschenk.

Um 16:00 Uhr wurde der von der Potsdam Touristik gestellte Führer für Stadtrundfahrt und Rundgang am Französischen Dom aufgenommen. Es folgte eine rund 75 Minuten dauernde Fahrt durch das alte und neue Potsdam, auf der den aufmerksam Zuhörenden viel aus der Geschichte und dem heutigen Potsdam vermittelt werden konnte. Leider war am Ende die Zeit soweit fortgeschritten (Baustellen in der Stadt hatten die Fahrt verzögert), dass nur noch ein Gang in das Holländische Viertel möglich war - aber kein vollständiger Rundgang mehr. So endete die Stadtführung an einer zentralen Kreuzung im Viertel (links im Bild), an der unser Führer das Entstehen dieses Stadtteils skizzierte. Oberst a.D. Schulze-Büttger dankte für die informative Führung und sprach dabei den Gedanken an, dass der Eine oder Andere sich wohl in diesen  kanpp zwei Stunden wird vorgenommen haben, einmal wieder zu kommen. Damit lag er, wie die Reaktionen zeigten, richtig.

Ein letztes Mal wurde der Bus bestiegen, um zum Endziel dieses Tages zu gelangen. Nach gut 20 Minuten wurde die Julius Leber-Kaserne erreicht. Nach dem Beziehen der Unterkunft trafen sich alle Teilnehmer in der UHG, die für den Kameradschaftsabend ein umfangreiches Grill-Büffet vorbereitet hatte, das wegen des einsetzenden Regens in den Saal der UHG verlegt werden musste. An fünf Tischen entwickelten sich dann rege Gespräche zwischen Alt und Jung, bevor man sich nach einem doch langen Tag zur Ruhe begab.
Die Fahrt zum letzten Ziel - die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf, verlief ohne Zwischenfälle und so erreichte die Gruppe kurz vor 10 Uhr den Parkplatz zur Bunkerführung bei strahlendem Sonnenschein. Gebucht war die gute 2 1/2-stündige "Vier-Bunker-Tour" (Maybach I, Panzir, Sowj. Bunker und Zeppelin).
Nach der Aufteilung in zwei Gruppen und Empfang von leistungsstarken Leuchten waren die Vorbereitungen erledigt.

Zunächst ging es in die Bunkeranlage "Maybach I", gebaut in den Jahren ab 1935 für das Oberkommando des Heeres (OKH). 1939 fertiggestellt, beherbergte die Anlage die Generalstabsabteilungen der obersten Heeresführung bis kurz vor Ende des Krieges. Nach dem Krieg auf Grund einer Vereinbarung der Siegermächte gesprengt, befinden sich heute in der Anlage nur noch die Ruinen der Bunker, die (unter Denkmalschutz stehend) dem Besucher einen guten Eindruck in Konstruktion und Bauweise vermitteln.
Alle Bunker waren in der gleichen Bauweise ausgeführt, die Dächer, in Vollbeton und abgeschrägt, sollten  (aus der Luft)  einerseits den Eindruck normaler Siedlungshäuser vermitteln, andererseits Bomben einfach abgleiten lassen. Gearbeitet haben die Abteilungen in der Regel in den oberirdischen Etagen, unter der Erde waren alle Einrichtungen noch einmal vorhanden, man wechselte einfach nach unten bei Gefahr.

Die Häuser des OKH waren untereinander und über den Fernmeldebunker Zeppelin mit der damals in Deutschland leistungsstärksten Telefonie- und Fernmeldeanlage vernetzt und konnten direkt in die Vermittlungen der Armeen, Korps und bis in die Divisionen verbunden werden. Teilweise war auch Selbstwahl schon möglich.
Nach "Maybach I" ging es durch die Anlage zum Bunker Panzir, einem nach dem Krieg von den Sowjets erbauter Bunker in Leichtbauweise, von da aus weiter zum ehemaligen Führungsbunker der sowj. Luftstreitkräfte in der DDR, der bis zum endgültigen Abzug 1994 in Betrieb war, obwohl von dort nichts mehr zu führen (da) war.

(im Bild, der große Lage-Raum)

Schließlich wurde Bunker "Zeppelin" erreicht. Über den Nordeingang ging es "untertage" über einen 220 m langen Gang in das Herz des Bunkers. Das Bild links zeigt die hervorragende Tarnung der Eingänge, über die (bewohnte Häuser) der Schichtwechsel des Personals zweimal am Tage erfolgte.
Der weitgehend erhaltene Bunker war die Fernmeldezentrale des Heeres, Bindeglied aller Frontabschnitte und Kriegsschauplätze zur Führungsorganisation, zu den anderen Wehrmachtsteilen, sowie zum OKW.
Nach dem Krieg von den sowj. Streitkräften leer geräumt, die Einrichtung in die SU überführt. Mitte der 60er von den sowj. Truppen wieder teilweise in Betrieb genommen und ebenfalls als Fernmeldebunker (Nachrichtenzentrale RANET)  genutzt.

(im Bild die Notbetten für rund 500 sowj. Soldaten in einen langen Gang).

Dieser Teil des Bunkers ist durch den die gesamte Anlage betreibenden Verein inzwischen mit Licht versehen und wird kontinuierlich weiter instandgesetzt. Teilweise sind in den Räumen rechts und links der Gänge Reste der sowj. Einbauten und Einrichtungen zu besichtigten.
Durch den 260 m langen Weststollen führte der Weg zurück an die Oberfläche.

 

Wieder im Tageslicht zogen der Vorsitzende des Freundeskreises, Oberst a.D. Schulze-Büttger und der Kommandeur des Bataillons. Oberstlt Iwan, ein kurzes Fazit. Sie stellten fest, dass diese Fahrt alle Erwartungen mehr als erfüllt habe und für alle genügend und reichlich Anregung zur weiteren Befassung mit der Geschichte gegeben habe. Eine kleine "Freizeit" gab noch einmal Raum für einen Rundgang durch die Bücherstadt und zur Stärkung, bevor es auf den Rückweg nach Munster ging, wo man dann gegen 19:30 Uhr ankam.
(Text: Thönissen, Bilder: Springer)

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