Freundeskreis Panzerlehrbataillon 93 e.V.

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Besuch des Vereins "Geschichtslehrpfad e.V" und Bunker Valentin in Bremen Farge am 07.06.2011 

In diesem Jahr konnte der Freundeskreis endlich einer Einladung unseres Mitgliedes, StHptm d.R. Heiko Kania, folgen und den Verein "Geschichtslehrpfad e.V" - wie er abgekürzt heißt,  an der oberen Weser einen Besuch abstatten. Die Führung übernahm unser Mitglied - und Vorsitzender des Vereins - selbst. Bei der Ankunft der 23 aus Munster Anreisenden, darunter 13 Aktive, an der Baracke 27 auf dem Standortübungsplatz Schwanewede wurden diese auch von einem direkt angereisten Teilnehmer, OTL a.D. Bergenthum, erwartet.
Nach der Begrüßung gab StHptm Kania zunächst einen Überblick über die Ziele des Vereins, um dann zu einer Einweisung über den Bau der verbunkerten U-Boot Werft, heute Bunker Valentin, über zu gehen. Die Entscheidung für den Bau, der Anfang 1943 erst begann, fiel, nachdem der Beschluss für den Bau einer neuen und größeren U-Boot Klasse XXI, gefallen war.
So entstand in nur knapp 24 Monaten der über 426 m lange, bis zu 97 m breite und bis zu 33 m hohe Bunkerkoloss, dessen endgültige Fertigstellung - etwa 200 m der Bunkerdecke im Westteil erreichten nicht mehr die vorgesehene Stärke von 7 m - durch den Vormarsch der Allierten Anfang 1945  verhindert wurde.
Es war geplant, hier alle 56 Stunden ein neues U-Boot zu Wasser zu lassen. Dazu sollten aus Fertigungsstätten in ganz Deutschland die einzelnen Sektionen angeliefert werden, die hier im Taktverfahren auf insgesamt 13 Taktplätzen zusammenzuführen waren. Auf dem letzten Taktplatz konnte das nun schwimmende Boot der Dichtigkeitsprobe sowie der Funktionsprüfung der Antriebe unterzogen werden, bevor es einer vorläufigen Besatzung zur Überführung in die Endausrüstung übergeben werden sollte.

Bunker Valentin, vorne das Mahnmal

unten :H.Kania am Mahnmal
Im Anschluss an diese Einweisung in der Baracke, die während des Krieges Teil eines der Lager für die u.a. auch beim Bunkerbau eingesetzten Zwangsarbeiter war, verlegten wir zum Bunker, der heute anerkannte Gedenkstätte ist - nachdem vor etwa 2 bis 3 Jahren das dort befindliche Marinedepot nach knapp 50 Jahren von der Bundeswehr aufgegeben wurde. Vor dem Bunker erinnert seit 1983 ein Mahnmal an die Opfer des Bunkerbaus. Ehemalige Zwangsarbeiter legen einmal im Jahr hier Blumen zum Gedenken nieder - etwa 1100 Namen von zwischen 1943 und 1945 umgekommener Zwangsarbeiter bei Bau der Rüstungsprojekte in diesem Raum sind bekannt, die tatsächliche Zahl der Toten dürfte jedoch höher liegen.
Beim Rundgang durch den begehbaren Teil des Bunkers wurden die gewaltigen Dimensionen des Bauwerks deutlich. Dabei konnten in die der Weser näher gelegenen Teile des Baus nur hineingeschaut werden. In der Decke dort waren einzelne Löcher zu sehen, Resultat von "Truppenversuchen" der Allierten nach dem Kriege, die den Bunker nutzten, um neue spezielle Bomben zu erproben. Eine kleine Ausstellung im Bunker erzählt die Geschichte des Baus in Wort und Bild.
Nach dem Mittagessen in der OHG Schwanewede schloss sich die Einweisung in die damals auf dem heutigen Standortübungsplatz gelegenen großen teilweise unterirdischen Treibstoff-Depots und die Lager für die Unterbringung der beim Bau der Depots und des Bunkers Valentin eingesetzten Zwangsarbeiter ein. Der "Lehrpfad" durch die Geschichte führte an den Eingängen von einigen der Lager vorbei, die heute durch Stelen und daran angebrachten Informationstafeln markiert sind: Arbeitserziehungslager der Gestapo Bremen, Marinegemeinschaftslager I, das Kriegsgefangenenlager für sowj. Kriegsgefangene und KZ Farge, ein Außenkommando des KZ Neuengamme und schließlich das Marinegemeinschaftslager II/Marinehospital. Die Baracke 27 des Vereins war Teil des Marinegemeinschaftslagers II. Daneben gab es noch weitere Lager ostwärts der heutigen Kasernen des Standortes.
Mit der auf zu Beginn der Führung auf dem Lehrpfad ausgegebenen Info-Mappe und den in ihr enthaltenen Informationen in Wort und Bild zu den Lagern und deren Führer und Insassen war es ein Leichtes für die Besucher, sich in die Zeit während des Krieges zurück zu versetzen. Die Informationen, die die Bilder aus der damaliger Zeit ergänzten, legten Zeugnis von der menschenverachtenden Behandlung der Zwangsarbeiter, der Kriegsgefangenen und der Insassen des KZ ab. Sie machten betroffen und nachdenklich.

Zurück in der Baracke 27 dankte Oberstlt. a.D. Thönissen StHptm Kania für die sehr interessante, ausgezeichnet vorbereitete und mit großem inneren Engagement durchgeführte Führung und Einweisung in Absicht und Ziele des Vereins "Geschichtslehrpfad" (die unter www.geschichtslehrpfad.de abgerufen werden können).
Als Dank übergab er für den Verein eines der letzten drei Exemplare unserer Chronik
 und dem Vortragenden das Buch von Oberst Schwitalla "Jetzt weiß ich erst ...", danach erfolgte die Rückverlegung nach Munster.

   
Alle Fotos, soweit nicht anderes vermerkt: Springer  

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